Eigentlich hatten wir ja mal vor, nach dem Ausbau unseres Heubodens zum Fotostudio, fotografisch richtig durchzustarten. Die ersten Erfahrungen, besonders in der Peoplefotografie, hatten wir auch schon. Dann hat mir Meike noch den Individualworkshop bei Thomas Adorff in Karlsruhe geschenkt, damit wir noch besser lernen, Licht gezielt zu setzen. Es folgte die Pandemie, aber davon an anderer Stelle mehr. Heute will ich nur berichten, wie wir von „Wir fotografieren was ist“ zu „Wir fotografieren, was wir an Ideen im Kopf haben“ gekommen sind.
Recht blauäugig, was mich bei Thomas erwartet und zugegeben etwas nervös, ging es zu Thomas ins Studio. Der Schwerpunkt sollte in der Aktfotografie liegen und da hatte ich ja noch so gar keine Erfahrung. Wir hatten ausführlich telefoniert und geschrieben und da wir noch nicht mit professionellen Models gearbeitet hatten (auch das sollte Inhalt des Workshops werden) hat er dankenswerterweise jemanden engagiert: Lucy. (Lucy Modéle)
Wir waren mit den technischen Vorbesprechungen gerade durch, als die Tür aufging und eine junge Frau vollgepackt mit Reisetaschen reingerauscht kam. Es folgte in breitem Schwäbisch erstmal eine Entschuldigung fürs Zuspätkommen. Direkt gefolgt von der Frage: „Ich muss mich schnell noch schminken, aber soll ich mich gleich ausziehen?“ Whaaat? Völlig überfordert mit „Was-Wie-Warum?“ verständigten wir uns erstmal auf die selbe Unterwäsche, wie beim letzten Workshop von Thomas, denn „mit den Spitzen könnte man gleich noch was mit dem Licht ausprobieren“.
Und dann ging es los. Model positionieren, nur eine riesige Lichtwand von hinten und Schattenriss fotografieren. Dann etwas Licht von vorne dazu. Nein, kein weiterer Blitz. Nur zwei weiße Styroporplatten auf Rollen. Erstes Setup fertig – Prinzip verstanden und weiter. Lucy war in dem Moment das Beste, was uns passieren konnte, da wir uns komplett aufs Fotografieren und die Technik konzentrieren konnten. Sie wusste, was Sie zu machen hatte, fragte ab und an mal, ob das passt und alles lief rund.
Nächste Aufgabenstellung: Hintergrund schwarz und das Model akzentuiert beleuchtet. Kurze Pause zum Umziehen, wir haben das Licht entsprechend umgebaut und es ging weiter. Leider mit einem stark gebrauchten schwarzen Kartonhintergrund, aber das fiel erst später am Monitor auf, sodass viel Nacharbeit in Lightroom nötig war, um die gewünschten Ergebnisse zu erhalten.
Das letzte Setup war dann ebenfalls vor schwarzem Hintergrund: Klassischer skulptureller Akt. Und wieder war es für uns ein großer Vorteil mit Lucy zu arbeiten, die als Tänzerin ein unwahrscheinliches Körpergefühl mitbringt, sodass nicht ein Bild dabei war, wo es irgendwie verrenkt oder verkrampft aussah. Das war dann auch der Zeitpunkt, wo ich Ihre Frage vom Anfang geschnallt habe, ob Sie sich gleich ausziehen soll- Unterwäsche, die eng am Körper anliegt, kann Streifen auf der Haut machen. Die sind nachher schwierig zu retuschieren. Deshalb macht es Sinn, entweder eine Kaffeepause zwischen bekleideten und unbekleideten Fotos zu machen, oder in umgekehrter Reihenfolge zu shooten.
Wir haben an dem Tag so irre viel und schnell gelernt, das wir Jedem, der in die Studiofotografie einsteigen möchte, nur dringen raten können: Nehmt das Geld in die Hand, geht zu einem erfahrenen Fototrainer, bucht ein professionelles Model mit Erfahrung dazu, es lohnt sich.
Aber hebt euch noch ein paar Euros auf, denn Ihr müsst danach in den Baumarkt.
Zum Bau von zwei Reflektoren/Abschattern benötigt man: Acht Möbelrollen auf 35×35 mm Grundplatte, 4 Styroporplatten 40mm stark und möglichst ohne Aufdrucke drauf, ca. 12 m Kanthölzer 40×40 mm, Schrauben, schwarze und weiße Farbe (Wasserbasis, damit sie nicht die Styroporplatten auflöst) eine Säge und einen Akkuschrauber. Für den Bauplan und ein paar Tipps, was man alles falsch machen kann dürft ihr euch gerne bei mir melden.